AND THEN SHE CAME

AND THEN SHE CAME spielen Rock. Modern Rock. Doch dieser Begriff ist weit gefasst. Sehr weit.

Nähern wir uns mal so: Organische Power-Grooves treffen auf smarte Elektro-Elemente, scharfkantige Metal-Riffs auf ausdrucksstarken, weiblichen Gesang und progressive Passagen auf ohrwurmige Hooklines. Die passende Schublade? Gibt’s noch nicht! Muss man sich selber bauen. Also reinhören!

Ihr wollt trotzdem konkrete Anhaltspunkte? Dann sagen wir mal, dass irgendwo im selben Regal auch Evanescence, die frühen Linkin Park und 30 Seconds To Mars stehen könnten. Noch mehr Namedropping? Na gut, als Gäste sind Shouterin Alissa White-Gluz von Arch Enemy und Gitarristin Jen Majura von Evanescence zu hören. Bäm!

Die Entstehungsgeschichte von AND THEN SHE CAME ist keine gewöhnliche. Frank Stumvoll bekam den Auftrag, einen Soundtrack für den deutsch-amerikanischen Thriller „Bad Trip“ zu komponieren. Statt alles im Alleingang zu machen, holte sich der Bassist und Produzent lieber seine alten Weggefährten S.C. Kuschnerus (Drums) und Olli Singer (Gitarre) dazu.

UND DANN KAM SIE: Sängerin Ji-In Cho! Die Arbeiten entwickelten eine Eigendynamik, und unabhängig vom Soundtrack entstanden plötzlich Songs für ein eigenes Album. Aus dem ursprünglichen Studio-Projekt wurde eine richtige Band, die es jetzt auch live richtig wissen will!

Bühnenerfahrung haben die Musiker reichlich, traten sie doch unter anderer Flagge beispielsweise in Asien bereits in Arenen vor über 25.000 Fans auf. Moment mal, wo spielten sie denn vorher? Bis 2012 tourten Ji-In und ihre Mannen noch mit Krypteria um die Welt. Trotz fast gleicher Besetzung markiert AND THEN SHE CAME jedoch in jeder Beziehung einen Neuanfang! „Das ist wohl das Beste, auf jeden Fall aber das Aufregendste, was wir je gemacht haben“, legt sich die vor Enthusiasmus sprühende Sängerin fest.

Dem kann man nur zustimmen, denn Spielfreude und Vielfalt sind diesem Debüt an allen Ecken und Enden anzumerken.

Five Billion Lies“ und „Like A Hurricane“ werden von akzentuierter Laut-/Leise-Dynamik geprägt, die als Extrem in derben Growls gipfelt. Im Gegenzug gibt es mit der Piano-Ballade „I Carry On“ nicht minder intensive leise Töne – ganz ohne Kitsch, versprochen!

Zwischen diesen Polen wird lustvoll experimentiert, wobei insbesondere Sängerin Ji-In viele neue Aspekte in Stimme und Ausdruck zeigt; am Anfang des mehrsprachigen „Public Enemy #1“ erinnert sie gar an Nina Hagen. Das Beste daran: Nichts verkommt zum Selbstzweck, die Arrangements sind zwingend und schlüssig.

Als Zitronencremebällchen auf dem Kosakenzipfel gibt es jede Menge Hookline-Candy, das vor allem bei „Why So Serious?“, „Hellfire Halo“ und „If You Hate Me That’s Okay, But…“ süchtig macht.

Wie die Titel bereits andeuten, findet das gehobene musikalische Niveau auch textlich seine Entsprechung. Zu den Themenfeldern zählt Gesellschaftskritisches über Medien, Religion und Intoleranz, aber es werden auch Kämpfe gegen die eigenen Dämonen schonungslos offengelegt.

Für das Albumcover konnte das Quartett den renommierten Grafiker Dirk Rudolph (u.a. Rammstein, Scorpions, Die Toten Hosen) gewinnen, der als Artwork einen hypnotischen Monolithen geschaffen hat. Passend zum Soundtrack-Ursprung der Musik werden live Videoscreens eingesetzt, die die Texte mit atmosphärischen Bildern visualisieren.

Und was hat es mit dem Bandnamen auf sich? Nun, da gibt es gleich mehrere Interpretationsmöglichkeiten – sei es die schlüpfrige Lesart (Willkommen im Club der schmutzigen alten Männer!), die Geburt einer Tochter oder ganz profan der Moment, in dem Ji-In zur Band kam und sie vervollständigt hat. Your choice!

Marcus Schleutermann (Rock Hard / EMP Rockinvasion)

„And Then She Came“ ist am 24.06.2016 bei DME Music erschienen.

AND THEN SHE CAME

Ji-In Cho - vocals

Olli Singer - guitars

Frank Stumvoll - bass

S.C. Kuschnerus - drums